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Anna Katharina - für Kinder erzählt

Nicht weit von hier in Flamschen bei Coesfeld stand das Elternhaus der Familie Emmerick.

Es war Winter, kalt war es im Hause Emmerick. Anna Katharina lag neben ihren Geschwistern  in Decken eingerollt und träumte . Von den Tieren im Stall unter der Schlafkammer, kam ein wenig Wärme herauf. Die Eltern arbeiteten bei Kerzenlicht, die Mutter nähte und der Vater webte. Anna  Katharina träumte vor sich hin und dachte dabei an Jesus; denn die Eltern hatten am Abend von ihm und seinem Leben und seinem Land aus einem dicken Buch, der Bibel , vorgelesen und erzählt.

Die Schule besuchen können war für ein Kind aus einer armen Familie beinah unmöglich; denn die Eltern brauchten die Hilfe von Anna Katharina und von ihren Geschwistern für die tägliche Arbeit in Haus und Hof.

„Ach, wenn ich doch nur lesen könnte.Ich bin schon zehn Jahre alt, und es steht soviel von Jesus in diesem dicken Buch . Ich würde so gerne mehr wissen.“

 

Und da , auf einmal kam die große Überraschung.

Anna Katharina und ihre Geschwister durften zur Schule gehen. Sie waren sehr neugierig und lernten sehr fleißig. Leider dauerte die Freude nur vier Monate. Die Eltern konnten die Arbeit Zuhause nicht alleine schaffen. Sie brauchten die Unterstützung der Kinder.

Doch Anna Katharina hatte in diesen vier Monaten Lesen und Schreiben gelernt.

"Alles ist still in der Nacht, und ich schleiche mich zu dem großen Buch. Ich kann ja jetzt lesen,so  kann ich mir Jesus, seine Freunde und auch das fremde Land gut vorstellen, ja ich spüre, dass Jesus mir nahe ist, er ist mir wie ein naher Freund, ich kann mit ihm über alles sprechen!"

 

Aber nicht nur die biblischen Geschichten berührten Anna Katharinatief, sie spürte auch, wenn die Menschen um sie herum froh oder traurig waren.

Ganz allmählich nahm sie wahr, dass der liebe Gott für sie eine besondere Aufgabe hatte.

 

"In mir spüre ich einen Wunsch, ich möchte gerne in einem Kloster leben, ich möchte mit Menschen zusammen sein, die Gott lieben und ihm dienen."

 

Da Anna Katharina nicht das notwendige Geld aufbringen konnte,  nahm sie kein Kloster auf.In der Tochter des Kantors von Coesfeld hatte Anna Katharina eine echte Freundin gefunden. Klara war Lehrerin und Organistin. Auch sie hatte den Wunsch , Nonne zu werden. Die Augustinerinnen im Kloster Agnetenberg in Dülmen suchten dringend eine Organistin, die wollten Klara aufnehmen, doch Anna Katharina nicht. Aber Klaras Vater, der Anna Katharinas großen Wunsch kannte, half ihr. Er gab Seine Einwilligung zu Klaras Klostereintritt nur unter der Bedingung, dass auch Anna Katharina aufgenommen wurde. Sie war überglücklich. Anna Katharina war jetzt 28 Jahre alt

 

"Doch ich bin auch oft traurig. Nichts kann ich den Schwestern recht und richtig machen. Was und wie ich arbeite , es ist einfach falsch. Ich glaube, die Schwestern mögen mich nicht, dabei weiß ich ganz sicher , Gott hat mich hierher geführt. Ich weiß, es ist sein Wille."

 

In der Näh-und Wäschekammer fand Katharina ihren Platz.

 

"Hier bin ich allein und kann mit meinem Freund sprechen, er weiß, wenn ich traurig bin und er kennt, was mich bedrückt. Nach dem Unfall mit dem vollgefüllten Wäschekorb habe ich oft Schmerzen im Rücken und im Bauch. Werde ich alle Arbeit schaffen?"

 

Als nun Napoleon im Jahre 1811 auch über das Münsterland Macht gewonnen hatte ordnete er an , alle Klöster zu  schließen und de Schwestern zu vertreiben – so auch Agnetenberg. Anna Katharina hatte das Glück von dem Abbe Lambert, einem aus Frankreich geflohenen Priester als Haushälterin aufgenommen zu werden.

"Was ist aus meinem Klostereintritt geworden? Es ist alles so anders geworden!Jetzt lebe ich hier im Hause des Abbe Lambert, so will ich hier meine Arbeit tun und trotz allem dankbar sein."

Anna Katharina gab sich bei der täglichen Arbeit große Mühe.  Doch langsam fühlte sie, wie sie immer schwächer wurde und eines Tages konnte sie das Bett nicht mehr verlassen. Sie hatte große Schmerzen und bat Jesus um Hilfe. An ihrer Stirn und ihren Händen zeigten sich kleine Wunden. Sie erschrak darüber sehr; denn es waren die Wunden Jesu.

"Was soll ich jetzt tun? Wie gehe ich mit den schmerzenden Wunden um ? Sie zu verstecken ,ist nicht möglich. Nun werden alle sehen, was ich für mich behalten wollte."

 

Anna Katharina lag in ihrem Bett und war gezeichnet mit den Wunden Jesu – stigmatisiert.

Ist es ein Wunder? Oder ist es Betrug?

Die Menschen der damaligen Zeit wollten nicht mehr glauben müssen, sie wollten Beweise. So kamen Menschen, die sie prüfen wollten. Ebenso kamen Menschen, die sie um Rat und Hilfe baten .Ganz besonders nahm sie sich Zeit für die Erstkommunionkinder.

Diese durften sie am Weißen Sonntag besuchen.

Als Anna Katharina Emmerick  schon 6 Jahre das Bett nicht mehr verlassen hatte, bekam sie überraschend Besuch von dem Dichter Clemens Bretano , er hatte von ihrem Leben gehört und wollte mehr wissen.Als er sie kennen lernte war er so beeindruckt, dass er nach Dülmen zog und bis zu ihrem Lebensende in ihrer Nähe blieb. ( Das waren mit wenigen Unterbrechungen fünf Jahre.) Brentano befragte sie über ihr Leben, ihre Gedanken und ihre Visionen. Er schrieb alles auf. Er verstand sie, wie kein anderer .

Als Anna Katharina spürte, dass ihr Leben zu Ende  gehen würde, verabschiedete sie sich von Freunden und Geschwistern, von den Menschen, die sie betreut hatten.

"Ich bin unterwegs in eine andere Welt,

in die ich schon so lange für kurze Augenblicke  hineinschauen durfte. Jetzt warten dort jene auf mich, die vor mir gestorben sind, meine Eltern, Lambert , Jesus und seine Freunde. Ich glaube ganz sicher , irgendwann alle die Menschen wiederzusehen, die ich jetzt auf Erden zurücklasse.

Ich mache mich auf den Weg!"

 

 

Dieser Text entstand in Vorbereitung auf die Emmerickwallfahrt der Dülmener Kommunionkinder 2010.
Text: Cläre Hillermann.