Impulse

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Anna Katharinas Bedeutung für das religiöse Leben damals und heute

Anna Katharina hat in einer Zeit gelebt, die von dramatischen Umwälzungen bestimmt war: Französische Revolution, beginnende Industrialisierung, Säkularisierung, d.h. Verweltlichung im Denken wie auch in der Besitz- und Machtverteilung(Beseitigung kirchlicher Landesherrschaft, Enteignung der Kirchengüter, Auflösung der Klöster).

Mit diesen Vorgängen war verbunden, vor allem unter den Gebildeten, eine Entchristlichung des Lebens. Damit begann die sich bis in unsere Zeit fortsetzende „Gottesferne“. Anna Katharina hat in ihrem so eng mit der Anschauung verbundenen Beten die Nähe Gottes erfahren und hat aus dieser Erfahrung ihr Leben gestaltet. Für viele ist sie damit zur Zeugin geworden, dass Gott auch in unserer Zeit gegenwärtig ist. Viele Menschen, die von dieser Gottesferne angesteckt, mitgerissen wurden, aber dennoch eine - oftmals verborgene - Sehnsucht nach dem Unendlichen in sich trugen, erlebten in Anna Katharina Emmerick eine Frau, die von Jugend an durchdrungen war von einer innigen Gottesliebe. Begnadet durch ein ganz außergewöhnliches bildliches Vorstellungsvermögen (Eidetik) war ihr die Welt der Bibel in Bildern gegenwärtig. Und so war Christus für sie keine Gestalt der Vergangenheit, sondern ein reales Gegenüber in Anschauung, Gebet und Gespräch. So tief war ihre unmittelbare Gotteserfahrung, dass sie sich in der Stigmatisation an ihrem Leib verkörperte.Anna Katharina Emmerick hat in einer Zeit, die von Leid bestimmt war, ihr Leid angenommen auch als Sühne und hat ihrem Leben trotz ihrer Hinfälligkeit Gestalt gegeben. So zeigt ihr Leben, wie Gott die Größe, die Schönheit, die Würde des Menschen, auch des hinfälligen, will.

 

Das damals allgemein gültige und bis weit in das 20. Jahrhundert verbreitete Bild des „strafenden, richtenden Gottes“ hat ihre Erziehung, Kindheit und Jugend bestimmt. In ihren Betrachtungen, Visionen ist sie zu der Einsicht gekommen, dass der in Christus sichtbar gewordene Gott „ein unendlich liebender Gott“ ist, denn seine Liebe ging bis in den Tod. Für viele, die damals ständige Angst vor Sünde und Strafe nicht mehr mit Gott und Religion vereinbaren konnten, führte ihr Zeugnis von dem „liebenden Gott“ zu einer neuen Zuwendung zum Glauben.

Da sie überzeugt war, dass Christus den Gläubigen seine Gegenwart im Sakrament der Eucharistie zugesagt hat, hat sie gegen die damals übliche Gewohnheit, gegen den starken Widerstand ihrer Mitschwestern den regelmäßigen, möglichst täglichen Empfang der Eucharistie gesucht. Damals war es selbst im Kloster üblich, nur viermal im Jahr die Kommunion zu empfangen.

 

Der Paulinische Gedanke, dass die Gemeinschaft der Glaubenden, die Kirche, den „Leib Christi (corpus Christi)“ bilden, war in der damaligen Theologie verschüttet. Anna Katharina hat diesen Gedanken wieder entdeckt in der Feier der Eucharistie. Wenn alle in der Kommunion Christus empfangen, dann sind sie der Leib Christi.

Die Erfahrung der Liebe Gottes war für Anna Katharina vor allem auch ein Impuls zur Weitergabe dieser Liebe. Viele sind dadurch angeregt worden, den Armen, den Leidenden Liebe zu erweisen. So sind von ihr viele Impulse zu Solidarität mit den Kranken, Verlassenen ausgegangen. Davon zeugen Brentanos Stiftungen aus seinem Vermögen, aus den Einnahmen seiner Bücher, sein Einsatz für karitative Orden (mit seinem Werk „Barmherzige Schwestern“), z.B. Luise Hensel und ihre Schülerinnen und viele andere.